Die gäste des Fiorio

über zwei jahrhunderte: man sieht sie ihm nIcht an

Die gäste des Fiorio

In den Sälen des Fiorio „trafen die Hochgestellten der Regierung, des Adels, des Offizierswesens, des reichen Bürgertums zusammen, unter die sich gelegentlich reiche Pferdehändler mischten“. Von Zeit zu Zeit kam auch mal ein Rechtsanwalt des Bürgertums auf der Suche nach bedeutenden Freundschaften hinzu. Es war ein Offizier darunter, der sich damit brüstete, an der Unterdrückung der Aufstände von 1821 teilgenommen zu haben und von dem der Dichter Angelo Brofferio ironisch schrieb: „che taja le teste come i melon – er lässt die Köpfe rollen wie Melonen“. Diese Vorstellung von der Bedeutung seiner Gäste teilte auch der französische Schriftsteller Charles Monselet, der 1859 nach Turin kam: Um alle Persönlichkeiten, die etwas zählten, zu treffen, begab er sich ins Fiorio. Der berühmteste Gast des 19. Jahrhunderts war, wie wir wissen, Cavour, der 1847 in die Politik ging, als er die Zeitschrift „Risorgimento“ gründete. Wir stellen ihn uns an seinem üblichen Tisch vor, während er jene Artikel schrieb, in denen er die Notwendigkeit der Verfassung nachwies. Und wer weiß, wie oft er seine politischen Thesen verfochten und damit die Missbilligung der Konservativen hervorgerufen haben mag…

Ein Café ist ein ganzes Universum und wird von einer wirklich vielfältigen Menschheit besucht. Auf einen Stammgast wie Cavour, der den Gang der Geschichte beeinflusste, kommen viele andere, deren höchste Bekanntheit unter den Nachkommen gerade darin besteht, das Café frequentiert zu haben. Wenige wissen heute, wer Graf Onorio war, aber in Turin um die Mitte des 19. Jahrhunderts war er eine höchst bekannte Persönlichkeit. Cavaliere Baratta, von dem in Kürze die Rede sein wird, beschreibt ihn uns als ruinierten Adeligen, der seine Tage im Caffè Fiorio verbrachte „ohne der Welt andere Umstände zu machen als zu essen“. Als er starb, stellte Baratta sich einen Grabstein vor, der diesen „so nutzlosen und leeren Lebensstil“ ausdrücken könnte. Also schrieb er diese Inschrift: „Sia leggera la terra al conte Onorio, / la cui morte, ahi! Dolore! Un vuoto grande / sulle panche lasciò del caffè Fiorio!” (Leicht sei die Erde dem Grafen Onorio / dessen Tod, ach! Schmerz! eine große Leere / hinterließ auf den Bänken des Café Fiorio!)

Cavaliere Baratta wurde 1802 in Genua geboren und starb in Turin wahrscheinlich 1866. Er war in die savoyische Hauptstadt gezogen, um die diplomatische Karriere einzuschlagen, aber es sollte anders kommen. Er war ein seltsamer Geist und arbeitete für Zeitungen und Zeitschriften. Man sah ihn häufig an den Kaffeehaustischen im Zentrum, auch im Fiorio, lesen und schreiben. Er war berühmt und gefürchtet für seine spitzen Epigramme – wie das für den Grafen Onorio –, die er als „poetische Scherze“ definierte. Als er starb, war er seinerseits „Opfer“ einer Nachschrift, die ein Mitarbeiter der Gazzetta di Torino vorschlug: „Del Cavaliere Baratta in questa fossa / riposan le ossa, / ma dire non oso / che trovi la lingua anche riposo.” (Von Cavaliere Baratta in diesem Grab / ruhen die Gebeine / doch wage ich nicht zu sagen / ob auch die Zunge Ruhe findet.)

Das Fiorio war nun aber nicht nur ein Treffpunkt von Spaßvögeln, wie man glauben könnte, sondern auch ein Ort, an dem Ideen entwickelt und dem großen Publikum vorgestellt wurden. So ist es keineswegs Zufall, dass gerade in seinen Räumen Carlo Ilarione Petitti zum ersten Mal die Notwendigkeit eines Eisenbahnnetzes in Italien als Antrieb für die politische Einheit und den wirtschaftlichen Fortschritt theoretisch darlegte.

Adresse
Via Po, 8 Torino 10121
Telefon
+39 011 817 3225
Email
info@caffefiorio.it
Web
http://www.caffefiorio.it

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