Geschichte im Café

über zwei jahrhunderte: man sieht sie ihm nIcht an

Geschichte im Café

Wann trat das Fiorio auf die Bühne der Geschichte? Der erste Hinweis betrifft eine kuriose Episode, die der Historiker Giuseppe Manno berichtet. In seinem Buch „Informazioni sul Ventuno“ erzählt er von Bernardo Pia, einem obskuren Dienstmann des Hofapothekers Masino, der am Abend des 18. März 1821 unter großer Geheimhaltung zum Fiorio geführt wurde: Hier bot man ihm eine hohe Belohnung an, wenn er Gift in die Medizin mischen würde, die Carlo Alberto in jenen Tagen einnahm – vier Tage bevor er gezwungen wurde, Turin auf Befehl von Carlo Felice zu verlassen. Bernardo Pia weigerte sich. Von Anfang an scheint also das Fiorio ein Treffpunkt der Konservativen gewesen zu sein. Dies ist allerdings ungerechtfertigt, weil seine Kundschaft zwar aristokratisch war, aber ganz verschiedene politische Auffassungen vertrat, und so ist es auch wahr, dass viele seiner Gäste wenige Monate nach den gescheiterten Aufständen von 1821 ins Exil gehen mussten: Giacinto Gollegno, Cesare Balbo und der Principe della Cisterna, um nur einige Namen zu nennen.

Das Fiorio war ein Café, in dem man über Politik diskutierte, und sicher fanden sich keine Mazzinianer in seinen Reihen, dennoch verschonte es auch den berühmtesten seiner Gäste, Camillo Benso Conte di Cavour, nicht mit Kritik. Er wurde vor allem kritisiert, als er 1854 beschloss, ein Speditionskorps mit achtzehntausend Männern in die Krim zu schicken, um den Angriff von Frankreich und England gegen Russland zu unterstützen. Viele verstanden nicht, was für Interessen das Piemont dort haben könnte, und wussten vielleicht nicht einmal, wo die Krim sei. Kleine Meinungsverschiedenheiten, die schnell behoben wurden, denn als zwei Jahre später der Repräsentant des Savoyerreichs beim Kongress in Paris benannt werden musste, hatte die Kundschaft des Fiorio keine Zweifel und ergriff Partei für Cavour, gegen die Gäste des Café Nazionale, die Massimo D’Azeglio unterstützten.

Die konservative Tendenz der Kundschaft im Fiorio nahm im gleichen Maße ab, wie die Idee der nationalen Einheit sich durchsetzte. Im Krieg von 1859 nahmen nämlich auch viele von den Gästen an den Kampfhandlungen teil, und häufig wurden schwarze Bänder als Zeichen für die Trauer um an der Front gefallene Freunde an die Spiegel und Lehnen der Sessel angeheftet. Und dies war nicht die einzige Art, Politik zu machen. Aus Staatsgründen musste Maria Clotilde von Savoyen, die Lieblingstochter von Vittorio Emanuele II., am 30. Januar 1859 den Cousin von Napoléon III heiraten: Napoléon Joseph Charles Paul Bonaparte, genannt Plon- Plon. Er war sechsunddreißig Jahre als, sie sechzehn. Betreiber der Hochzeit war Cavour selbst, der auf diese Weise die französisch- savoyische Allianz festigen wollte, der König jedoch schickte sich schweren Herzens darein. So verweigerten, als Cavour ein großes Fest zur Feier des Anlasses organisierte, sehr viele Gäste des Fiorio und anderer Cafés als Zeichen für ihr Verständnis für die Savoyer ihre Teilnahme – was sollte es denn da wirklich zu feiern geben?

Adresse
Via Po, 8 Torino 10121
Telefon
+39 011 817 3225
Email
info@caffefiorio.it
Web
http://www.caffefiorio.it

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